Offener Brief an die Redaktion vnp Richtigstellungen zu Halbwahrheiten
Zu Artikel : „Startschuss am Frankenschnellweg“ Samstag 1. August 2026 (print)
Der Bürgerentscheid ist durch und wir akzeptieren das Votum der Bürger. Im Sinne von über 70.000 Bürgern, die uns unterstützten sehen wir uns aber auch in der Verpflichtung den weiteren Fortgang des Projektes kritisch zu begleiten. Dazu gehört auch immer der Blick auf irreführende Presseberichterstattung.
Deshalb hier die Klarstellungen zu ihrem Kurzbericht in der vergangenen Wochenendausgabe:
- Falsch: „Im Abschnitt West soll der Frankenschnellweg zwischen Anschlussstelle Nürnberg-Westring und der Jansenbrücke ausgebaut werden.“ Damit schrumpfen Sie den Abschnitt West quasi auf Null. Richtig ist: Die Arbeiten West betreffen den Bereich zwischen Anschlusstelle Nürnberg-Doos/Fürth-Südstadt und Anschlussstelle Westring/Jansenbrücke, also insgesamt ca 2 km.
- Falsch: „Herzstück des Projekts ist ein rund ein Kilometer langer Tunnel […]“ Indem sie im nächsten Absatz von einem „Herzstück des Projektes“ kann beim Leser der Eindruck beim Leser entstehen, dass auch im Abschnitt West ein Tunnel entsteht, bzw. der Ausbau des Tunnels ebenfalls schon beschlossen ist. Der Tunnel ist Teil des Ausbaus Mitte, der noch nicht im Stadtrat abgesegnet wurde! Außerdem falsch ist die Angabe der Tunnellänge! Die Tunnellänge beträgt über 1,8 km! Nachzulesen im Bauwerksverzeichnis Nr. 100 der Planfeststellung! Hier wären als „Herzstücke“ des Ausbaus West Aussagen zu den beidseitigen 8m hohen Lärmschutzwänden und den zusätzlichen Fahrspuren angebracht!
- Falsch: „Darüber sollen Grün- und Freiflächen […] entstehen“. Damit wird suggeriert, dass überall auf dem Tunnel Grün- und Freiflächen entstehen. Über dem 1812 m langen Tunnel werden oben jedoch gerade mal auf 700 m Grün- und Freiflächen im Bereich Gibitzenhof entstehen können. Das sind nicht einmal 40% der Gesamtlänge! Im Bereich St. Leonhard, An den Rampen, also 60% der Länge, liegen über dem Tunnel mehr versiegelte Straßenflächen und Fahrspuren, z.T. in Betontrögen als es heute der Fall ist. Diese zusätzlichen Flächen zu verschweigen und nur „bessere Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer“ anzusprechen kommt einer Halbwahrheit gleich. Sie übernehmen damit die Halbwahrheiten, mit denen die Politik und SÖR seit Jahren den Ausbau bewirbt.
- Unsere Anmerkungen zu Halbwahrheiten: Wenn einzelne jeweils wahre Puzzleteile für Berichte zu einem Gesamtbild neu zusammengesetzt werden, ohne dabei den jeweiligen, für ein sachlich zutreffendes Bild zwingend erforderlichen Kontext mitzuteilen, kommt dies einer Halbwahrheit gleich. Diese kann bei der öffentlichen Meinungsbildung genauso schädlich sein wie handfeste Lügen! Dazu verweisen wir auf ein aktuelles Gerichtsurteil vom 12.05.2026 - VI ZR 346/24 BGH .(https://www.wbs.legal/allgemein/bgh-urteil-bewusst-unvollstaendige-berichterstattung-ist-wie-eine-falschbehauptung-zu-behandeln-86960/)
Seit Jahren werden Pressemitteilungen der Stadt Nürnberg und die von SÖR werbewirksam „optimierten“ Aussagen zum Frankenschnellweg ungeprüft und kritiklos vom vnp für die Berichterstattungen als ‚Fakten’ übernommen.
Ein Beispiel: Das Adjektiv „kreuzungsfrei“ wird unreflektiert für den „Ausbau“ konstatiert. Dabei wird nur der wirkliche Durchgangsverkehr unterirdisch die drei wichtigen Kreuzungen vermeiden können. Keineswegs „Kreuzungsfrei“ wird der Bereich zwischen Rothenburger Straße und Landgrabenstraße mit seinen drei Kreuzungen und noch mehr versiegelter Fläche als heute. Eine Tatsache, die viele Menschen nach unseren Hinweisen darauf nicht glauben wollten. Diese wesentliche sowie andere Tatsachen werden bei der Berichterstattung seit Jahren verschwiegen, und wurden auch bei der Berichterstattung des vnp im Rahmen des Bürgerentscheides meist unterschlagen. Dies gleicht einem ‚manipulativen Verschweigen‘, indem nur angeblich positive Effekte der Planung erwähnt werden, Nachteile aber weggelassen werden.
Der Bürgerentscheid ist gelaufen und wir bedauern die Entscheidung, werden sie aber nicht anfechten. Wir haben es in knapp eineinhalb Jahren nicht geschafft, eine möglichst breite Schicht der Bevölkerung über die tatsächlichen Planungen zu informieren.
Das wäre aber auch eine wesentliche Aufgabe einer unabhängigen, guten Presse gewesen. Nirgendwo (Stadt und örtliche Presse) wurden die tatsächlichen Planunterlagen gesichtet und dargestellt oder zumindest ein Hinweis auf die entsprechenden Internetseiten gegeben, (https://www.nuernberg.de/internet/soer_nbg/erg_plafe.html) vielleicht mit Eingrenzung von für Bürger wesentlichen und lesbaren Unterlagen.
Die wohlgemeinten Statements und das schöne ABC des Frankenschnellwegs von Volkan Altunordu vom 18. Juni 2026, kamen zu einem Zeitpunkt als bereits 95.000 (= 62% aller abgegebenen Stimmen) Bürger per Briefwahl abgestimmt hatten (Stichtag 17.6.2026). Statt Erläuterung der Planung wurden unter Verwendung der von der Stadt sorgfältig taktisch formulierten Phrasen für ihre Ziele, meist nur abstrakte Argumente pro und contra dargestellt.
Bereits seit 2015 werden die zu Werbezwecken angefertigten Visions-Skizzen von SÖR zur ‚Information‘ genutzt. Es handelt sich dabei nicht um die aktuelle Ausbauplanung, sondern um von Grafikern kreierte, und sogar prämierte Skizzen, die für ein Gestaltungshandbuch mit Ideen für die eventuelle Planung von der Stadt beauftragt wurden und für rund 215.000 € erstellt worden waren. In den Erläuterungen dazu wird selbst von „Wunschvorstellungen“, gesprochen, die jedoch durch technische Erfordernisse und Ausführungen eben anders aussehen können.
Siehe dazu: https://www.baulust.de/projekte/fsw/greenwashing-bilder
Als Verein, der sich für transparente Information und kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit einsetzt, sehen wir unsere Aufgabe auch künftig darin, das Verfahren weiter kritisch zu begleiten. Auch das Bündnis zur Initiative „Zurück auf Los, statt Ausbau Frankenschnellweg“ (www.frankenschnellweg.de) wird die weitere Entwicklung und Berichterstattung verfolgen und sich einmischen.
Wir stellen diesen Brief auf unsere Internetplattformen und werden ihn auch zusammen mit Ihrem Artikel an Interessierte weiter geben.
Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Nürnberg den 4. August 2026