Architektur im Gespräch - Neue U-Bahnplätze in der Nordstadt
Podiumsdiskussion, Nürnberg K4, 29.03.2007
Attraktive Stadtgestaltung !?
BauLust - Positionspapier
In der gut besuchten Veranstaltung leitete Ingo Schlick als Vertreter des Stadtplanungsamtes die Gesprächsrunde mit der Vorstellung der Pläne für die neue Gestaltung des Friedrich-Ebert-Platzes und des Kaulbachplatzes ein.
Die anschließend von Dr.-Ing. Alexander Hentschel moderierte Diskussionsrunde mit SPD-Stadträtin Gerlind Zerweck, Architektin Susanne Klug, ihrem Kollegen Oliver Witan und Landschaftsarchitekt Franz Hirschmann war sich einig in der Bewertung der Amtsentwürfe:
- Den weitgehend unter technokratischen Vorrängen entstandenen Planungen fehlen Ideen und Konzepte für eine angemessene Gestaltungsqualität, die einem der hochwertigsten Wohnquartiere der Stadt gerecht wird.
- Der für die Straßen und Plätze der Gründerzeit charakteristische Stil einfacher, großzügiger Raumfolgen und Flächengeometrien wird durch die zwanghafte Restflächenverwertung mit einer Vielzahl von Materialien und Nutzungswechseln weitgehend zerstört.
- In der fehlenden Fertigkeit, die Teilinteressen zu einem neuen Gesamtbild zusammenzufügen, entstanden unentschiedene Gestaltelemente und zufällige Verteilungsmuster.
So wirken die übrig gebliebenen Rasenstücke für den Friedrich-Ebert-Platz im Vergleich zur ursprünglichen Grünanlage eher verstümmelt und stehen zugunsten eines eindeutigeren Konzeptes genau so in Frage wie die Schlangenlinie der Schweppermannstraße am U-Bahnhof Kaulbachplatz, die mit entschiedeneren Ansatz vermieden werden könnte.
Zwar akzeptiert BauLust e.V. grundsätzlich die mit dem fortgeschrittenen Planungsstand verbundenen Festschreibungen für die unterirdischen Bahnhöfe und ihre Aufgänge, erwartet jedoch gleichzeitig eine vergleichbar sorgfältige und ambitionierte Planung für die oberirdischen Plätze und Straßen.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass für die Bahnhöfe Architekten und Künstler beauftragt sind, um hochwertige Gestaltkonzepte zu entwickeln, während die ungleich stärker von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Flächen und Weg lediglich einer technokratischen Funktionsplanung unterzogen werden.
Nachdem – eine Erkenntnis dieser Veranstaltung – sowohl Politik und Verwaltung als auch die Betroffenen und Bürger dies erkannt haben, sind die Chancen für eine angemessene Reaktion der Verantwortlichen nach wie vor gegeben:
- Die Nordstadt und insbesondere der Friedrich–Ebert–Platz mit dem benachbarten Kolleggarten, nördliches Eingangsportal der Stadt und dicht am touristischen Zentrum der Altstadt gelegen, haben eine weit über die Stadtgrenzen hinaus gehende Imagebedeutung für Nürnberg. BauLust e.V. erwartet eine dieser stadträumlichen Bedeutung angemessene, hochwertige und prägnante Stadtraumgestaltung.
- Der öffentliche Raum ist Teil des besonderen städtebaulichen Charakters der Nordstadt und ihrer Beliebtheit als Wohnquartier. BauLust e.V. fordert verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung des bauhistorischen Ensembles und seiner Lebensqualität.
- Der in den letzten Jahren rückläufige Freizeitwert der Nordstadt wird u.a. durch die U-Bahn neue Impulse erhalten. BauLust e.V. verweist auf die Chancen einer attraktiven Stadtgestaltung nicht nur für die direkt Betroffenen sondern für die ganze Stadt.
- Weitere U-Bahnhöfe und Bauwerke des öffentlichen Nahverkehrs werden Veränderungen im Stadtraum bewirken. BauLust e.V. appelliert bei weiteren Planungen im öffentlichen Raum das stadtgestalterische Konzept als Leitlinie im ersten Planungsschritt festzulegen. Bild und Atmosphäre prägen das Wesen der Stadträume, machen ihre Lebensqualität aus.
Zur Findung einer prägnanten Stadtraumgestaltung empfehlen wir deshalb externe Planungsgutachten durchzuführen. Mit diesem Instrument in einer sinnvollen Kooperation entstehen alternative Konzepte, aus denen die unter städtebaulichen, funktionalen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimierte Lösung gefunden werden kann. Gleichzeitig entwickeln öffentlich transparente Verfahren eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.
20. April 2007
| Für den Vorstand: | Für die Arbeitsgruppe U-Bahnplätze: |
| Christine Kayser | Franz Hirschmann |
| Regine Bort | Susanne Klug |
| Werner Geim | Dr.-Ing. Alexander Hentschel |
| Christof Popp |
zum Herunterladen:
U-Bahn-Postionspapier_20-04-07.pdf BauLust - Positionspapier: "Neue U-Bahnplätze in der Nordstadt" | 79 K |


